Der 3D Druck, sein Hype und die Realität

Vor rund 9 Jahren haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden das 3D Metallschmelzen in unsere Dienstleistungskette aufzunehmen.

In den letzten Jahren konnten wir nicht nur unsere eigenen Verfahren und Methoden verbessern wir haben auch beobachtet wie sich die Szene rund um die Additive Fertigung verändert, vergrößert und stetig weiterentwickelt.

Aber ist all dieser Begeisterung, dieser ganze Hype auch gerechtfertigt? Wir erleben immer wieder auf Messen und Vorträgen, das man den Eindruck bekommt, „Kaufen Sie sich einen Drucker und legen Sie los!“

Das die Additive Fertigung die Produktionsmöglichkeiten erweitert hat steht außer Frage. Geschäftsführer Gregor Jell, hat uns zum aktuellen Stand der Szene einigen Fragen beantwortet.

 

Wie kann man die Entwicklung der letzten 10 Jahre im AM Bereich ein klassifizieren?
Gregor Jell: Der 3D Druck hat sich in den letzten zehn Jahren rasant entwickelt und ist von einem Hype zu einer ernst zu nehmenden industriellen Fertigungsart geworden. Allerdings haben wir den Status der Serienreife noch nicht erreicht, dafür verantwortlich sind mehrere Faktoren; zunächst einmal die Anlagenreife gepaart mit dem verfügbaren Material und der vorhandenen Dienstleisterkompetenz. In machen Bereichen ist man in den letzten 10 Jahren gar nicht vorangekommen wie beispielsweise in der STL Thematik, so dass Software Anbieter immer noch STL basierend arbeiten, wobei das schon Schnee von gestern sei sollte. Zudem haben die Maschinen und Anlagen Hersteller verpasst Kooperationen mit den kleinen Dienstleistern zu vollziehen, was zu einer schnelleren praxisbezogenen Weiterentwicklung hätte führen können.

Welche Voraussetzungen benötigt ein Betrieb für den 3D Druck?

Gregor Jell: Grundsätzlich ist es so, dass man in der Wertschöpfungskette für die CAD Arbeit für Pre-, In-, und Postprozess, passende Strukturen benötigt, die in den meisten Firmen erst noch aufgebaut werden müssen. Die Vorarbeit im CAD und dem Design gehört im 3D Druck zu der wichtigsten Arbeit, dass bedeutet die Vorausgedachte Arbeit ist wichtiger den je. Das Direct Manufacturing spricht dafür, dass man sich die Arbeit vom klassischen CAM einspart, was aber im Umkehrschluss auch bedeutet das einem die Möglichkeit genommen wird, nach der CAD Arbeit einzugreifen. Wichtig ist natürlich auch ein vorhandener Kundenpool Beziehungsweise die Neuakquise potenzieller Kunden. Hierfür sind beispielsweise Messeauftritte unheimlich wichtig. Man muss aber dazu sagen das sich die Messelandschaft sehr verändert hat. Es gibt deutlich mehr Messen den 3D Druck betreffend, dadurch ist es relativ schwer, die richtige Messe zu finden. Allgemein führt dieser Wachstum dazu das die Besucherzahlen sinken und Messeauftritte unwirtschaftlich werden. Dies beugt eine Gefahr für die Zukunft, da viele Messeveranstalter auf den 3D Druck setzen. Jedoch hat der 3D Druck auch andere Möglichkeiten sich zu zeigen, beispielsweise durch Sozialmedia oder in House-Messen

Kann jeder in den 3D Druck einsteigen?

Gregor Jell: Grundsätzlich ist es so, dass die Branche 3D Druck so neu, frisch und modern wie sie ist, sich mit einem großen Anteil an Erfahrung unterscheidet, ähnlich wie im Spritzgussbereich ist die Erfahrung auch im 3D Druck Bereich essentiell. Auch deshalb essentiell, weil man in der Simulation, die man dringend benötigt, noch nicht so weit ist um den Prozess vorab simulieren zu können. Um dementsprechend fehlende Erfahrung ausgleichen zu können. Zudem ist es so das, wenn eine gewisse Peripherie an Maschinen Beispielsweise zur Nacharbeit noch nicht vorhanden ist, fällt der Einstieg natürlich schwerer. Der lange Prozessweg ist daher dann schwieriger umzusetzen. Das heißt im Umkehrschluss, je mehr Erfahrung in Fertigungstechnologie, CAD und Design vorhanden ist, um so leichter fällt der Einstieg.


Wie verhält sich die Auftragslage in der Branche?

Gregor Jell: Wir befinden uns immer noch in der Prototypen Phase und viele Kunden befinden sich noch in der Validierung, das heißt, wichtige Serienbauteile in großen Mengen oder die in großer Vielzahl hergestellt werden können, werden heute noch nicht geschafft. Mann kann sagen wir befinden uns auf dem Kuchen des Prototyping und dieser ist zu klein. Das Angebot der Laseranlagen Hersteller beziehungsweise der Dienstleister ist enorm hoch und steigt stetig. Hingegen die Nachfrage an Produkten und Projekten die umgesetzt werden können ist dementsprechend klein. Hierfür müssen wir die Serie schaffen: Wir sind letztlich immer noch an der Schwelle zur Serie und da sind die Maschinenhersteller, die Materiallieferanten und Softwarelieferanten gefordert, die nächsten Schritte zu gehen. Dafür müssen wir weg von STL, wir müssen die Maschinen mit mehr Sensorik und Überprüfung-Möglichkeiten ausstatten, wir müssen den Prozess im Vorfeld simulieren können und die Nacharbeit muss dem 3D Druck besser angepasst werden. Grundsätzlich ist es so, dass in den nächsten Jahren eine interessante Zeit auf uns zu kommt. Dienstleister werden um Aufträge kämpfen müssen. Große Unternehmen werden in Verbindung mit kleinen Firmen, kleinen Dienstleistern in Kooperation die Forschung und Entwicklung vorantreiben müssen. Damit die Branche die Serienreife erlangt und sich somit der Kuchen der Auftragssituation wieder vergrößert und sich die Auftragslage bei allen Dienstleistern und Unternehmen wieder entspannt.

Was sollte noch abschließend gesagt werden?

Gregor Jell: Die Masse an Laseranlagen, also die Herstellung der Laseranlagen sollte nicht so forciert werden, im Gegensatz zur Entwicklung und der Forschung. Da diese Maßgebend ist damit man die Stufe zur Serienfertigung schafft. Hier ist auch die Politik gefordert, Deutschland in Sachen Zuschüsse und Förderung deutlich mehr zu investieren. Ansonsten verliert man zu China und der USA an Boden.

Wir müssen vermeiden das der Hype sich nicht in eine Luftblase verwandelt und irgendwann der 3D Druck nur ein Nischenverfahren bleibt.

GregorCasualVAP

Geschäftsführer Gregor Jell